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29. April 2015 - Chris Kühn bei Energie im ZAK

Energie

Know-How geht verloren
Grüner Bundestagsabgeordneter Kühn zu Besuch bei insolventem Solarunternehmen

Üblicherweise gehen Politiker dahin, wo sie ihre Erfolge feiern können. So fiel der Besuch des grünen Bundestagsabgeordneten letzte Woche etwas aus dem Rahmen. Chris Kühn besuchte die insolvente Heinrich Trick Baukonzept GmbH in Schömberg, bis vor wenigen Wochen einer der wichtigen regionalen Spezialisten, wenn es um Solaranlagen und ökologische Heizkonzepte ging.

„Theoretisch wissen und praktisch sehen, was eine solche Insolvenz bedeutet, das sind dann doch zwei Paar Stiefel" betonte Chris Kühn nach dem Besuch in dem nahezu neuem Geschäftsgebäude des Unternehmens.

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Heinrich Trick und sein Sohn Markus stellten den Werdegang des Unternehmens dem Politiker vor. 2005 gegründet entwickelt sich das handwerkliche Unternehmen solide weiter bis zu dem Moment, da der Bundestag 2012 beschließt, den solaren Ausbau zurückzufahren. „Atmender Deckel" nennen die Politiker den Mechanismus, der als langsame Erdrosselung bei der Branche ankommt und aus dem es letztendlich für ein Unternehmen wie Trick kein Entrinnen gibt. Über 1000 Solaranlagen hat das Unternehmen bis 2014 gebaut und dabei wichtige Arbeitsplätze im ländlichen Raum geschaffen. Per Bundestagsbeschluss wurde dann die Einspeisevergütung für Solarstrom immer weiter gesenkt, um die jährlich installierte Leistung von Fotovoltaikanlagen auf ein Drittel zu senken. Nachdem die Solarbranche zunächst dem Kostendruck zumindest teilweise durch Preissenkungen begegnen konnte, wurde der Kostendruck per Gesetz noch mal deutlich verstärkt. In nur zwei Jahren wurde die Einspeisevergütung halbiert, sodass summa summarum das Umsatzvolumen der Branche in nur 2 Jahren auf knapp ein Sechstel reduziert wurde. Als direkte Konsequenz fallen deutschlandweit dadurch 80% der Arbeitsplätze im Solarhandwerk weg. Betriebe mit mehreren Standbeinen konnten die Arbeitskräfte kurzfristig in andere Geschäftsbereiche verlagern. Reine Solarfirmen müssen dagegen reihenweise Insolvenz anmelden, da der Aufbau neuer Geschäftsfelder nicht von heute auf morgen zu stemmen ist. „Es ist grotesk und volkswirtschaftlicher Unsinn. Wir wollen eine Energiewende in Deutschland und weltweit und jagen diejenigen, die über Jahre das Know-How für die technische Umsetzung aufgebaut haben, in die Insolvenz." macht Almut Peteresen vom Netzwerk ENERGIE im ZAK deutlich. Das Netzwerk hatte das Zusammentreffen zwischen Politiker und Akteuren organisiert. Petersen gab dem Politiker denn auch zwei ganz konkrete Bitten bezüglich der aktuellen Regularien mit. Kleine Solaranlagen sollten nicht mehr als Gewerbe, sondern als Haustechnik angesehen werden. Das würde extrem viel unnötige Bürokratie für die privaten Betreiber und auf den Finanzämtern einsparen. Außerdem fordert sie, dass EEG-Umlage für die im gleichen Gebäude verbrauchten Solarstrom nicht von den Eigentumsverhältnissen abhängen dürfe, da Gebäudebesitzer, Stromverbraucher und Anlagenbesitzer in den meisten Häusern nicht deckungsgleich wären. Klemens Jakob machte deutlich, dass er von grüner Politik ein noch eindeutigeres Bekenntnis zum Klimaschutz erwarte. Da könne man eben nicht immer wirtschaftsfreundlich sein: „Eine veraltete Wirtschaft, die auf massiven CO2-Emissionen basiert, muss abgelöst werden, damit wir eine lebenswerte Welt für unsere Enkel erhalten." Zudem zeige sich gerade hier am Ort deutlich, dass die Erneuerbaren nicht nur saubere Energie produzieren, sondern gleichzeitig auch Arbeitsplätze schaffen, und zwar dort, wo die Menschen leben und Energie brauchen.
Trotz der schwierigen Lage vermittelten Markus und Heinrich Trick einen zuversichtlich Blick in die Zukunft. Beide sind nach wie vor von ihrer Technik 100% überzeugt und auch davon, dass diese in der Zukunft ihren Markt findet. In den letzten Jahren hatten sie bereits begonnen neue Konzepte zu entwickeln. So kombiniert Trick Solarstromanlagen mit intelligenter Heiztechnik wie Infrarotheizungen oder Wärmepumpen. Der wegbrechende Umsatz aus dem Solarstromgeschäft hätte zwar nicht in der notwendigen Geschwindigkeit durch die neue Bereiche ersetzt werden können. Gemeinsam mit einem starken Partner sehen sie aber durchaus eine Chance auch in Zukunft am Standort Schömberg Arbeitsplätze für die Energiewende zu schaffen.

 

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